5 Jahre und 365 Tage

Vor einem Jahr kam er, packte seine Sachen und ging wieder. Es gab kein abschliessendes Gespräch, kein „Wir können ja Freunde bleiben“, keine Vorwürfe, kein „Es war ja nicht alles schlecht…“. Es war alles schon tausenmal gesagt worden in den gemeinsamen fünf Jahren. Er nahm den Lachs aus dem Kühlschrank mit (Bio!), packte das Rotkohl, das er am Tag vorher selbst gemacht hatte in kleine Schüsselchen, nahm die Packung Kartoffelknödel und ging. Was blieb war ein leeres Gefühl, Erleichterung, Trauer, Wut, Resignation, Schmerz und ein kleiner Rest Rotkohl, der nach wenigen Tagen verschimmelte. Der Rest des Tages war dumpf. Es gab nichts mehr zu kämpfen, nichts mehr zu ändern. Es war, wie es war. Die beste Freundin war bei ihrer neuen Liebe in England. Unerreichbar. Das war das schlimmste an diesem Tag.
Die kommenden Tage liefen. Es war nicht so schlimm, wie bei den vorangegangen Trennungen, aber es war auch nicht gut. Ich holte den Reisepass ab, den ich wegen einer gemeinsam geplanten Reise beantragt hatte. Ich aß nicht. Nichts. Ich fuhr nach Hamburg zu einem Bewerbungsgespräch, aß ein Franzbrötchen, trank den besten Cappuccino der Welt, kaufte eine viel zu große Strickjacke. Sie war weich, sie versprach warm zu halten. Mehr wollte ich nicht. Ich rief ihn an, und erzählte ihm heulend, wie gut es mir ging in dieser Stadt. Abends essen vom Take-away Inder am Hauptbahnhof. Es ging aufwärts. Ich aß. Und fuhr zurück nach Berlin. Lebte weiter. Bekam den Praktikumsplatz. Machte die geplante Reise alleine. Ging nach Hamburg. Kam zurück. Vermisste ihn, verfluchte ihn, redete mit ihm, schwieg ihn an, feierte mit ihm. Traf andere Männer, fickte und feierte mit ihnen. Ging Beziehungen der seltsamsten und schönsten Art ein. War zwischendurch alleine aber nur selten einsam.
Ich möchte diese 5 Jahre mit ihm nicht missen. Niemals. Sie waren wie eine Aneinanderreihung von Achterbahnfahrten, ließen mich kotzen und jubeln. Sie machten mich zu dem, was ich bin, ließen mich wachsen, denken, bremsten mich auch, ich lernte über mich, viel. Sah und erlebte Dinge, die ich ohne ihn niemals gewagt hätte.
Ich möchte aber auch dieses Jahr ohne ihn nicht missen. Es machte mich stärker, selbstsicherer. Als seien die 5 Jahre vorher eine Vorbereitung darauf gewesen. Ich bin dankbar, dankbar für 5 Jahre und 365 Tage. Und gespannt, was ab morgen passieren wird…

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2 Antworten zu 5 Jahre und 365 Tage

  1. Hary bo Dega schreibt:

    tragisch …

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