Von der Panik, dem Reinsteigern, dem Internet und einer wundervollen Person…

Ich bin ein kleiner Kontrollfreak, zumindest was einige Dinge angeht. Wenn ich morgens das Haus verlasse wird nicht nur zweimal nachgeschaut ob alles Notwendige (Handy, Geldbeutel, ipod… ) in der Tasche ist, ich muss auch unbedingt schauen, ob der Herd aus ist. Vollkommen egal wie angezogen ich schon bin, auch egal wie spät dran oder ob das Kaffee kochen schon 2 Stunden her ist und ich seitdem mehrmals in der Küche war. Bevor die Wohnungstür verschlossen wird MUSS nachgeschaut werden, ob der Herd auch wirklich, ganz ganz sicher auch aus ist.
Gleiches Spiel auch heute, alles war in der Tasche, der Herd war aus, mit dem Schlüssel in der Hand verließ ich die Wohnung, fuhr zur Arbeit. Es ist Messezeit. Genau wie gestern und morgen auch stand ich am Stand, wunderte mich, wie sehr Italiener auch in fliederfarbenen Hosen noch den Macho raushängen lassen können, präsentierte Ecken (nutzt mehr Ecken! Kauft mehr Ecken! Ecken sind die Zukunft!!!), aß Bonbons, unterhielt mich, beobachtete… bis mir plötzlich das Bügeleisen einfiel. Ich hatte morgens noch mein Hemd gebügelt und war plötzlich nahezu sicher, den Stecker nicht ausgesteckt zu haben. Ich schob den Gedanken weg, versuchte mich zu beruhigen, aber der er kam immer wieder. Ich versuchte den Mitbewohner zu erreichen – vergeblich. Die Unruhe wuchs. Inzwischen war ich fast sicher den Stecker nicht gezogen zu haben, und während eine kleine leise Stimme in meinem Kopf beruhigend auf mich einredete, mir sagte, dass alles gut sei, dass ich den Stecker sicher gezogen hätte, dass ich es sonst gemerkt hätte, lieferte mir meine Phantasie Bilder vom geschmolzenem MacBook, von verkohltem Stuck. Je länger der Mitbewohner sich nicht meldete, desto größer wurde das Feuer, ich sah unsere Straße voller Feuerwehrautos, überall Wasser und Flammen wie vor 3 Jahren als das Nachbarhaus brannte. Vollkommen klar, dass der Mitbewohner nicht anwortete, bestenfalls lag er mit Rauchvergiftung im Krankenhaus. Es war wenig zu tun am Stand, das Auge hatte sich an lilagekleidete Männer gewöhnt, auch laufender Lauch konnte mich kaum mehr abhalten, ich steigerte mich ein wenig rein in die Panik. Was also tun? Bis abends zittern? Die Hausbesitzer anrufen: „Entschuldigung, Ihnen ist nicht zufällig gerade eben ein Haus abgebrannt?“ Mir fiel nur eine Person ein. Eine Person, die direkt um die Ecke wohnt, die ich erst einmal in meinem Leben gesehen habe und eigentlich nur über Twitter kenne. Die einzige Person, die versteht, wie wichtig Aiman Abdallah ist, und die mich bei dem einen Treffen so nachhaltig beeindruckt hat. Ich entschuldigte mich bei der Kollegin am Stand, die meine Panik mitbekommen hatte, ging raus, und verschickte an genau diese Person wirre Nachrichten über Twitter. Ob mein Haus brennt, ob sie was sieht oder hört, und ob sie mir vielleicht eine sms schicken könnte. Ich wusste nicht, ob sie zu Hause war, ob sie überhaupt ein Handy hat, wann sie die Nachrichten liest, aber sie war meine einzige Hoffnung, der Mitbewohner war ja in meiner Fantasie längst rauchvergiftet. Es verging eine kleine Zeit, die Vernunft erklärte mir unablässig, dass es vollkommen okay sei, dass nicht SOFORT eine Antwort käme, alles andere sei ja illusorisch, die Phantasie hingegen sah einen Funken des Feuers über die Straße springen, wie auch immer, und auch dort einen gesamten Wohnblock vernichten. Bis zur nächsten Straßenecke. Auch meine zweite Möglichkeit jemals vor Feierabend von dem Brand zu erfahren lag vermutlich schon längst rauchvergiftet im Krankenhaus. Im besten Fall…
Fantasie und Vernunft lieferten sich wilde Duelle, in meinem Kopf lief ein wildes Pro7 Horrorszenario ab, Vulkanausbrüche in der RTL-Eifel waren ein Spaziergang dagegen bis plötzlich direkt nacheinander 2 sms kamen. Die erste vom Mitbewohner („alles okay, Haus steht noch“) die zweite von ihr, sie würde nichts hören aber gleich nachschauen… Ich war bereits beruhigt durch die sms des Mitbewohners, aber ihre kurze Nachricht bewirkte, dass ich mich aufgehoben und sicher fühlte. Was auch immer passierte, egal wie absurd und albern und bescheuert meine Panik war, da war eine Person, die einfach so irgendwie da war mit den allerrichtigsten Worten. Eine Person, die mich im Grunde genommen gar nicht kennt, die nicht hätte reagieren müssen, die ich niemals getroffen hätte, ohne dieses Internet.
Liebe Du, ich dank Dir von ganzem Herzen! Es wird langsam wirklich Zeit für den Kaffee, gerne auch mit Harvey und Aiman…

Advertisements
Galerie | Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Von der Panik, dem Reinsteigern, dem Internet und einer wundervollen Person…

  1. poetin schreibt:

    ❤ kaffee mit harvey und aiman, das klingt toll! machen wir.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s