Einmal „Alles anders“ mit Sahne bitte

Ich bin in New York. Das ist die gute Nachricht. Der Rest hat Diskussionsbedarf.

Es ließ sich eigentlich ganz gut an, gestern, auch wenn die Nacht nach eineinhalb Stunden vorbei war. Ich verschlief nicht, der Koffer ging zu, die BVG streikte nicht, das Flugzeug nach Frankfurt hatte zwar Verspätung, ärgerlich und für einiges an Nervenkitzel sorgend, aber, schließlich flog es dann doch, landete auch und nach einem Sprint über den Frankfurter Flughafen (Zu C-14 müssen Sie? Na da müssen Sie sich aber beeilen), erreichte ich dann auch das vorläufige Ziel. Der Ex, seine Mutter und sein Bruder standen auch schon da, allerdings nicht in freudiger Erwartung, mich zu sehen, sondern in Diskussionen mit Beamten. „Der Ex kommt nicht mit nach New York“ erklärte mir sein Bruder. Die Situation war viel zu klar, um es für einen Scherz zu halten. Sein Reisepass genügte nicht für die Einreise. Warum das erst beim Boarding erkannt wurde und nicht schon früher – keine Ahnung. Er verließ also das Geschehen Richtung draußen, wir Richtung Flugzeug. Nicht irgendein Flugzeug, der A380 wurde mir hinterher mitgeteilt. Aha. Isn Flugzeug, fliegt. Irgendwann kamen wir an, unser Gepäck auch, nach ewiglanger Zoll- und Einreiseschlange ging’s dann weiter Richtung Stadt. Von weitem sah man eine Silhouette, von nahem bunte Einfamilienholzhäuser, die wohl einige Programmierer für facebookspiele inspirierte. Die U- Bahnfahrt war ewiglang, Müdigkeit und Aufregung gingen bei mir Hand in Hand, mal schwang die eine höher, mal die andere. Die unterschiedlichsten Menschen hier sind kaum zu erfassen, aber das wird wohl jeder dauernd über New York sagen. Der Trommler, der mit zwei Trommeln und Klappstuhl den Waggon enterte hatte immerhin Taktgefühl, etwas Neues für geschundene Berliner U-Bahnohren. Beim Umsteigen gelang es mir, mich dreimal im U-Bahnhof zu verlaufen (Mama, bitte kein U-Bahn Navi zum Geburtstag, es war ne Ausnahme, ich schaff das sonst. Wirklich!) aber irgendwann kam ich auch an. Rechts der Central Park, links Backsteinhäuser mit Feuertreppen, über mir grauer Wolkenhimmel. Es war wie in einer Filmkulisse, irgendwie zu krass um wahr zu sein. Es war wie ein Lied von William Fitzsimmons. Da fliegt man nach New York und das erste was man oberirdisch sieht ist der Central Park. Wow! Drei Blocks weiter sollte mein Hostel sein, sollte, denn nicht nur Hostel eins wurde geschlossen (was mir immerhin bereits per E-Mail mitgeteilt wurde und ich umgebucht) auch Hostel zwei war geschlossen. Seit Januar. Wegen akuter Baufälligkeit. Immerhin hingen Zettel in der Tür wohin man sich wenden solle, nur eine Straße weiter. Mit einem Japaner im Schlepptau der wohl das gleiche Ziel hatte ging ich auf die Suche, und noch mal zurück nachschauen, und wieder suchen. Zahlen verwirren mich, und Straßen bei denen man erstmal ausklamüsern muss, was die Straßenzahl ist, und was die Hausnummer… Zwischendurch ein Feuerwehrauto mit Sirene und ein kurzer Gedanke daran, wie LAUT die Stadt vor 10 Jahren an diesem Tag im September gewesen sein muss. Naja… Es gab eine Rezeption (einen Hocker, ein Tischchen mit einem Laptop drauf im Hausflur und ein nettes überraschtes Mädel) und alles erinnerte so gar nicht an die freundliche Stimme der Dame, die mir meine Umbuchung mit den Worten: „Machen Sie sich keine Sorgen, wir haben denen mitgeteilt, dass Sie kommen, die wissen das, das klappt alles. Aber wenn Sie Wert drauf legen, kann ich noch eine Notiz zu ihrem Reiseplan hinzufügen…“ bestätigte. Niemand wusste etwas von mir, niemand war darauf eingestellt. Das Mädel las sich meinen „Reiseplan“ mit der grandiosen Notiz „Neues Hostel: …“ durch, telefonierte zweimal und bot mir dann an, mir hier ein Zimmer zu geben, sie wohne auch hier. Ein Zweibettzimmer als Einzelzimmer, immerhin, aber ohne Frühstück und Internet. Nicht, was ich wollte. Ich wollte ein Bett, Frühstück, Internet und Menschen um mich rum. Für den Moment war aber eh fast alles egal, das wichtigste war ein Bett. Ich wollte der Stadt, die niemals schläft ausführlich zeigen wie das so geht.

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