Ein perfekter Morgen in NYC

Tag zwei in dieser unfassbaren Stadt. Der Plan war: raus ausm Hostel, irgendwo nen Kaffee zum mitnehmen organisieren, rein in die U-Bahn, runter nach Downtown und die Stadt von unten aufrollen. Allerdings machte hier das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es war nämlich gut. Geradezu blendend. Sonne und strahlend blauer Himmel. Bei sowas kann ich nicht einfach in die nächste U-Bahn steigen, da muss gelaufen werden. Ich peilte wage eine etwas entfernter liegende Station an und lief los. Immer in der Sonne entlang durch die Upper Westside. Vorbei an zahlreichen Läden, Straßenessensständen und Menschen. Eins eint wohl alle Städte: sobald die Sonne raus kommt, kommen auch die Menschen raus. Statt Kaffee entdeckte ich eine Kirche, die sich sobald als drittgrößte christliche Kirche der Welt rausstellte. Auch nicht schlecht. Sie hatte einen Garten mit Sonne, der perfekte Ort um mit Reiseführer in der Hand den Rest des Tages zu planen. Weil New York eben New York ist passierte das nicht einfach so, es kam zufällig noch ein kleiner Gospelchor vorbei, ein Haufen aufgeregter Mädchen, die sich hier auf ihren Auftritt in der Kirche vorbereiteten. Geschnatter und Gesang, dazu Sonne und Vogelgezwitscher, es war zauberhaft.
Cathedral of Saint John the DivineDie Kirche ist auch von innen riesig und beeindruckend und hat ihren Platz in meiner „Top Ten der Orte an denen ich bei einem Erdbeben nicht sein möchte“ sicher. Man läuft eine gefühlte Ewigkeit bis man erstmal zu den Stuhlreihen kommt und selbst von da braucht man noch ein Fernglas um den Altar (von Keith Haring) erahnen zu können. Aber obwohl relativ viele Menschen in der Kirche waren und Horden von Schülern sich drinnen versammelten, gab es doch viele kleine ruhige Ausweichnischen. In einer davon natürlich auch die obligatorische amerikanische Flagge.
Heiligkeit ersetzt Kaffee nicht, es war Zeit, die Suche fortzusetzen. Praktischerweise befindet sich direkt gegenüber der Kathedrale „The Hungarian Pastry Shop“ – ein wahres Kleinod an Idylle und beschaulicher Gemütlichkeit. Kann man das so sagen? Egal. Er ist zauberhaft. Die Sonnenplätze davor natürlich alle belegt, egal. Innen ist es so schön, dass man dort bei jedem Wetter sitzen kann. Auch bei Sonnenschein. Es ist herrlich unaufgeregt, schrammelig, mit wunderbar ehrlich gelaunten Mitarbeitern, die einem kein Lächeln zu viel schenken. Man bestellt an der Theke, die so voller Herrlichkeiten ist, dass es eine Weile dauert, bis man weiss, was man eigentlich will. Das gewünschte wird einem dann an den Tisch gebracht und nach dem Genuss (oh ja!!!) zahlt man dann wieder an der Theke. Die Schilder sehen aus als wären sie vor 30 Jahren handgeschrieben aufgehängt worden, auf Kalorienangaben verzichtet man hier großzügig, man möchte es auch gar nicht wissen. Zu lecker sieht alles aus.

Frückstückstisch

Ich entscheide mich für Café au lait und etwas schönes süßes mit Erdbeermarmeladenkrams, den Namen hab ich immer noch nicht verstanden. Auf meinem Zettel stand Ole, etwas unleserliches und Rita. Ach ja. Der Kaffee kommt in richtigen Tassen statt in Papier und  schmeckt köstlich, und man fühlt sich ein wenig wie zu Hause. Sollte der Mitbewohner jemals verreisen müssen, er sollte hierher kommen. Ich jedenfalls bin sehr verliebt und das liegt nur zum Teil an dem freundlichen Schild über der Theke:
IN CASE OF FIRE
Keep Calm
Pay Bill
Then run.

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3 Antworten zu Ein perfekter Morgen in NYC

  1. Herr R. schreibt:

    Der Name ist auch nicht wichtig, hauptsache Erdbeermarmelade ist drinn!!

  2. Thomas Kramer schreibt:

    Klingt alles äußerst himmlisch… – freut mich für dich.

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