Bryant Park und Greenwich Village

Es gibt verschiedene Arten zu Reisen. Damit mein ich jetzt nicht das offensichtliche, Gruppenreisen, Flugreisen, Kulturreisen sondern vielmehr das Reisen vor Ort. Es gibt die Planer, die schon zu Hause ihr Programm ausarbeiten, Museumstickets buchen und ausdrucken und ihre Tage durchstrukturieren. Man will ja was erleben. Es gibt die Wissenslüsternen, die vorher schon Bücher wälzen, sich in geschichtliche Daten und Geschichten reinvertiefen und vor Ort jeden Reiseführer zum schwitzen bringen. Es gibt die, die sich drauf verlassen, dass vor Ort schon jemand sein wird, der ihnen alles erklärt. Und es gibt die Treibenlasser. Zu denen gehöre ich. So sehr ich es liebe vor einer Reise Bücher, Reiseführer und das Internet durchzuwälzen und Listen zu erstellen von Dingen, die ich sehen will, so sehr liebe ich es, vor Ort alles auf mich zu kommen zu lassen. Morgens aufzustehen mit nicht mehr als einem wagen Plan was der Tag so bringen soll und dann je nach Wetter, Füßen und Laune zu entscheiden wie es weitergehen soll. Es mag sein, dass ich so das eine oder andere Highlight verpasse, aber es ist definitiv auch so, dass ich so manche Dinge entdecke, die ich sonst vermutlich nicht entdeckt hätte. Beispiele? Beispiele:

Sonntag überlegte ich nach langem rumüberlege und im Park rumgesitze eine Turmtour zu machen. Manhattan hat so viele tolle Hochhäuser und ich wollte sie alle sehen: das Hearst Building, das Empire State Building, das Chrysler Building… Also zog ich los und lief und lief und lief. Und auf dem Weg von der Bank of America (zweithöchstes Gebäude New Yorks) zum Chrysler Building (auch hoch) war da plötzlich dieser kleine süße Park, den ich bisher nur aus den Augenwinkeln im vorbeigehen wahr genommen hatte. Die Füße taten weh, ich hatte Durst, eine Pause war von Nöten. Also rein innen Bryant Park. Leseecke Bryant ParkDer Park ist kein Park im ursprünglichen Parksinn, also, mit Grünkrams zum draufsitzen oder liegen. Man sitzt auf einem der zahlreichen Stühle, die da so rumstehen. Und das durchaus gemütlich. Es gibt eine Leseecke, und das ist eines der tollsten Dinge, die ich jemals in Parks gesehen habe (und ich war schon in vielen Parks). Es gibt 3 kleine Regale mit Zeitungen und Büchern, von Klassikern wie Dante, Ovid, Shakespeare über italienische Kochbücher und „Frauenliteratur“ ist alles dabei, man kann sich ein Buch oder eine Zeitung nehmen und lesen. Einfach so. An einem der Lesetische, die sich von den anderen nur durch einen kleinen Erklärzettel unterscheiden.
Man hat aus irgendwelchen Gründen Wifi an den anderen Tischen und man hat perfekten Blick auf das Chrysler Building und das Empire State Building. Eine kleine beschauliche Oase, mitten in Manhattan zwischen 6th Avenue und 42. Straße.
Abends ging ich nochmal vorbei, und es saßen immernoch Menschen im Park, spielten Schach, saßen, unterhielten sich, genossen den Blick auf den beleuchteten Brunnen, sich und die Welt. Schön!

Ein weiteres Stolpererlebnis hatte ich mit dem Greenwich Village. Natürlich stand es auf der to-do Liste, auch der Onkel erinnerte nochmal dran, und wie hätte ich auch nicht dran denken können, seit seinem Besuch in New York ist das mitgebrachte Greenwich Village Shirt eines meiner Schlafshirts.
Es war immernoch Sonntag, nach meinem Besuch im Bryant Park stromerte ich weiter vor mich hin, Empire State Building, Flatironbuilding nebst einem zauberhaften italienischen Laden (Lieber Ex, Du hättest es geliebt. Eataly heisst er, und es gibt nicht nur selbstgemachtes Eis, es gibt pures Italien dadrinnen. Espressoduft, Regale voller Süßkram und Spezialitäten, Fische so tot und schön und sicher auch lecker wenn man drauf steht…), ich lief und lief und lief ohne genau zu wissen wohin, erfreute mich an den Straßen und dem Zigarrerauchenden Pfandsammler und stand plötzlich auf einem Platz, der sich als Washington Square Park rausstellte. Es war später Nachmittag und der Platz war voller Menschen, Schwarze, Weiße, Asiaten, Latinos, Studenten, Kinder, Ältere, alles bunt gemischt. Sie saßen, aßen HotDogs, spielten Gitarre, trommelten… Hunde zwischendrin. Ein kunterbuntes Gewirr aus Allem. Wirklich Allem. Combo

Nicht beschreibbare Combo. Sie waren toll. Und der kleine dicke hingebungsvoll mit Tüchern tanzende Junge war nur der Zuckerguss der Sahnetorte. Sie spielten und spielten und wäre ich nicht irgendwann erfroren, säße ich immernoch da und würde zuhören. Sollten sie kommenden Sonntag wieder da sein, gibts ein Video!!!!
HelikopterWeiteres Highlight im Village parallel zu oben geliebter Combo war die Show links zu sehen. Man konnte nicht wegschauen, man konnte nicht weggehen und schon gar nicht weghören. Die beiden Zwillinge (Ähnlichkeit auf dem Bild leider nicht erkennbar) zogen eine wunderbare Show ab. Frech, respektlos teilweise, superlustig und mit zahlreichen artistischen Einlagen.
Ich weiss, wo ich kommenden Sonntag verbringen werde.

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