Dinge über den Rückflug

Man soll den Tag nich vor dem Abend loben, am Ende kriegt man alles zurück, Sprichworte würden uns auf einiges vorbereiten, würden wir sie beherzigen (und gäbe es nicht andere die behaupten „Das Beste kommt immer zum Schluss“). Nun. Ich würdigte den Flug im großartige, niegelnagelneuen A380 mit seiner super Ausstattung nicht und bekam die Rache.
Fliegen in diesem Riesensuperdupervogel ist toll. Man hat Platz. Viel Platz. Beinfreiheit! Ein Superdisplay im Sitz vor sich. Tolles Bordprogramm. Es gibt Kameras mit denen mann das Rollfeld unter sich sieht. Kameras, die zeigen, was man unter sich sieht. Die Toiletten sind kleine Badezimmer, alles strahlt, alles ist sauber, ein Traum vom fliegen. Seit Mexiko bin ich furchtbar verwöhnt, was Flugzeugessen angeht (Spargel!!!), aber auch Essen im A380 ist super! Dazu der Service einer großen deutschen Fluggesellschaft: warme Tücher, alle paar Minuten was zu trinken, Zeitungen, Kaffee, Campari, was will man mehr? Der Hinflug war also, man muss es zurückblickend leider so sagen, trotz aller Widrigkeiten ein Traum. Der Rückflug war folgendermaßen: Nach einem kurzen Verlusst von Scham und Hose im Körperscanner (tragt keine weiten Hosen, wenn sie nicht irgendwie auch ohne Gürtel halten!!!) und einem langen Marsch durch den Flughafen in Newark inclusive dem Nichtfinden des dortigen Starbucks, erreichte ich das Abfluggate was mir erstaunlich klein vorkam. So wenige Menschen? So ein kleines Flugzeug? Ich schob es auf meine verzerrte Wahrnehmung nach dem A380 und der riesigen Stadt, ausserdem war es ein Direktflug nach Berlin, da reicht ja eine kleinere Maschine. (Aber so klein? 6 Sitze statt 10 pro Reihe?). Eine amerikanische Partnergesellschaft übernahm den Flug, und laut einem kleinen Infofilm war sie so sehr erfolgreich, dass sie demnächst fusionieren sollte, um NOCH BESSER zu werden. Aha. Nun ja, wir flogen los, direkt über die Stadt was wirklich zauberhaft war, und über den Wolken in dieser grenzenlosen Freiheit merkte ich dann, dass meine Sitzfreiheit doch einige Grenzen kannte. Die Grenzen eines klemmenden Sitzes, dessen Lehne sich nicht bewegen ließ. Die Stewardess bot mir einen Mittelsitz an, aber lieber aufrecht am Fenster als liegend eingemuggelt zwischen zwei Fremden. Ich wollte ein wenig schlafen, vorher noch ein bis zwei Filme schauen aber leider hatte das Bordprogramm einige Tücken, wie erst die Stewardess erklärte und dann auch der Anblick des Betriebssystempinguins bestätigte. Sie versuchten es in den Begriff zu bekommen was ihnen auch gelang, wenn man es als Erfolg ansieht, dass man den Film nach einem Hänger selber wieder von vorne starten konnte und ihn im langsamen Modus vorspulen konnte. Zwischendurch kam das essen, eine Rosine im Reis deutete darauf hin, dass es asiatisch sein sollte. Der Salat war einer der Gründe dafür, warum Nichtvegetarier keine Vegetarier werden wollen. Immerhin, wir flogen. Gegen die aufkommende Langweile gab es ein paar Turbulenzen, man merkte, es gab schlimmeres, als fünfmal den Anfang aber keinmal das Ende des Films zu sehen. Ich versuchte zu schlafen, drehte mich links, drehte rechts, zog die Füße an, streckte sie aus, versenkte den Kopf in der Fensterkuhle, zog ihn wieder raus, kuschelte mit dem Ellbogen der Lenin lesenden Sitznachbarin, nickte kurz ein, das Flugzeug wackelte, ich wachte auf, versuchte einen Film zu schauen, das System hängte sich auf. Es war eine interessante Nacht, die sicher auch durch ein Kissen, wie es alle anderen hatten, kaum zu verbessern gewesen wäre. Über England wurde es hell, ich tröstete mich mit der Aussicht auf Kaffee, ein kleines Frühstück, als die Durchsage der Stewardess kam, es täte ihr leid, aber die Kaffeemaschine sei kaputt. Es gäbe aber immerhin noch Schwarztee. Prima. Als gäbe es einen Ersatz für Kaffee. Wieauchimmer, die Nacht war zu Ende, der Flug auch, in Berlin erwarteten mich ein freundlicher Beamte, der mir einen Berlinstempel in den Reisepass drückte, eine Überraschung mit Kaffe und ein Frühstück. Ich war wieder zu Hause.

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