Ein Museumsbesuch

Ich war im MoMA und es war anders. Und schwierig. Und schön. Zusammengefasst könnte man sagen, es war sehr „Uff“.
Freitags von 16 – 20 Uhr ist im MoMa freier Eintritt. Bei einem normalen Eintrittspreis von 20 Euro kombiniert mit der Bekanntheit des MoMA kann man sich den Andrang wohl vorstellen. Dennoch ging ich davon aus, dass es in etwa so ablaufen wird, wie die früheren freien Donnerstage in Berliner Museen. Man betritt das Gebäude, gibt Jacke und Tasche ab und betritt die Ausstellung. Ganz einfach eigentlich. New York wäre nicht New York wenn es hier genauso einfach wäre. New York ist New York, also ist alles anders.
Ich betrat das Gebäude und reihte mich erstmal in die doch sehr lange JackenTaschenAbgabereihe ein.  Dort erfuhr ich, dass ich weder meine Jacke noch meine Tasche von der Größe eines Einfamilienhaushaltes abgeben müsse. Abgegeben werden müssten lediglich Rucksäcke jeglicher Größe sowie Regenschirme. Aha. Ich reihte mich also aus der Reihe wieder aus,  die Kunst rief und ich wollte ihr folgen. Auf dem Weg dorthin Hinweisschilder, die Gratistickets würden vor dem Gebäude verteilt. Keine Karte, keine Kunst. Also wieder raus. Vor dem Gebäude standen dann auch tatsächlich Museumsmitarbeiter, die gelangweilt Karten verteilten. Allerdings nur an Personen, die sich vorher in eine weitere Schlange eingereiht hatten. Eine lange Schlange. Eine Schlange die nicht nur bis zum Ende der Straße ging,  sondern dort um die Ecke bog und bis halb zur Parallelstraße ging. Dort war dann das Ende. Zumindest mutmaßte ich das, da die Schlange ständig in Bewegung war, war es nicht so ganz klar, was Schlange und was normaler Passantenstrom war. Ich reihte mich also auch hier wieder irgendwo ein und bekam knappe fünf Minuten später ein Ticket in die Hand. Juhu! Kunst! Stolz wie Bolle ging ich mit dem Ticket in der Hand zum Ausstellungseingang, wo die Einlassfachkraft keinen müden Blick verschwendete und immer nur „Keep going“ murmelte. Naja. Drin. Immerhin. Ging ja doch.

Jasper Johns "Flag" Detail

Unterschied sich das Einlassprocedere schon vom Erwarteten, so tat es die Ausstellung erst recht. Es gab etwas umsonst in dieser Stadt, die sonst nichts zu verschenken hat, und das wurde genutzt. Es herrschte ein Andrang wie beim Winterschlussverkauf. Und sah auch in etwa so aus. Immerhin gab es keinen Kaffee in Pappbechern und auch keine HotDogVerkäufer, es  lagen auch keine Van Goghs auf Wühltischen, die Hängung war super, auch wenn ich das System nicht so ganz verstand und mich mehrmals verlief, es waren die Menschen. Viele Menschen. Prinzipiell finde ich, Kunst sollte viel häufiger von viel mehr Menschen wahr genommen werden und ihnen kostenfrei zugänglich gemacht werden, allerdings führte dies hier, zusammen mit der sehr lockeren Abgabepolitik, zu wundersamen Schauspielen. Ich sah einen Bierbauchbeleibten Mann im Unterhemd, unzählige Kinderwägen, über und über mit Einkaufstüten behängt, Besucherinnen, die sich mit Mantel über dem Arm und vier Einkaufstüten verschiedener Größe und Materialien vor Frida Kahlo drängten, dicke Kinder, die mit den bunten glitzernden Kugeln auf dem Boden spielen wollten, nichts ahnend, dass das Kunst sein könnte. Es gab ausser bei ein paar wenigen Bildern keine irgendwie markierten Sicherheitsabstände, was dazu führte, dass einige mit den Objektiven ihrer Kameras beinahe in der Ölfarbe der Gemälde rumkratzten.

Jasper Johns "Flag"

Es war ein eigenartiges, einzigartiges Schauspiel und ich war zwischendurch mehr auf die Besucher konzentriert, als auf das eigentlich ausgestellte. Dennoch lohnte es sich. Es gibt wahre Perlen dort zu sehen, Dalì, Chagall, Rothko, Frida Kahlo, aber auch einen Smart, eine Flugzeuganzeigetafel und Modelle des Stuttgarter Mercedes Benz Museums. Wer sich ausschliesslich für das Ausgestellte interessiert, sollte die 20 Dollar investieren, wer sich nicht scheut seinen Ellbogen einzusetzen, um Van Gogh zu sehen und gerne Menschen beobachtet, der kommt Freitags vollkommen auf seine Kosten.

Modell GATEHouse, Ditzingen

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