Die Sache mit dem Türschloss

olles SchlossUnser Türschloss war kaputt. Beim abschliessen drehte sich der Schlüssel plötzlich fröhlich im Kreis. Und drehte und drehte. Grandios. Wie immer in solchen Fällen war es natürlich kein sonniger Dienstagmorgen in einer Woche ohne Feiertage sondern Freitag Abend nach 18 Uhr und wir auf dem Weg, um schnell noch die wichtigsten Wochenendeinkäufe zu erledigen. Ich rief die Vermieterin an. Türschloss, au weh, das sei ja ärgerlich, ja, hm, da wüsste sie jetzt auch nicht, wenn man vielleicht mit einem Spray? ob wir ein Spray hätten? (klar. Immer in der Handtasche. Neben der Bohrmaschine und dem Bolzenschneider.) Türschloss sei ja leider Mietersache, da könnte sie jetzt auch nicht… ob wir jemanden im Bekanntenkreis hätten? Nein? Naja, sie könne ja mal, sie kenne da jemanden, sie rufe dann mal jemanden an. Ja, bitte.
In der Einkaufspassage gab es einen neuen Schlüsseldienst, der Freund erkundigte sich dort nach Möglichkeiten das Schloss wieder zu öffnen, da rief die Vermieterin schon wieder an, sie hätte da jemanden erreicht, er bräuchte aber eine Stunde, sie würde ihm meine Handynummer geben, die hätte sie ja in Ihren Unterlagen, ob das okay wäre, der würde dann kommen. Ja. Fünf Minuten später noch ein Anruf, sie wolle nochmal meine Handynummer abgleichen. Äh, ja. Egal. Wir kauften ein, wir gingen nach Haus, der Türschlossreparateur war bereits da. Er fluchte weil das Flurlicht nicht funktionierte, wir leuchteten mit Taschenlampe, Handys und Bohrmaschine, er schaute, prüfte, murmelte, fluchte, fragte, probierte, es half nichts, es hielt nichts, er musste bohren. Drei kleine Löcher in unsere schöne Tür. Er bohrte und hämmerte und ich wunderte mich, wieviel Lärm man machen konnte, ohne dass einer der Nachbarn die Polizei rief. Schließlich waren wir drin. In der Wohnung. Halleluja.
Kaum in der Wohnung funktionierte auch der Schlüssel wieder, dennoch, irgendwas war seltsam. Der Türschlossreparateur prüfte weiter, bohrte weiter, fluchte weiter, hämmerte weiter. Die Nachbarin schaute vorsichtig aus der Nebentür und fragte ob bei uns eingebrochen würde – nö, das muss leider so. Aha. Hämmern, fluchen, feilen, schimpfen, schließlich war alles ausgebaut, der PZ war kaputt. Ach so, der PZ. Ja. Kaputt. Hm. Da könne er jetzt nichts machen, da müsse ein neues Schloss rein und überhaupt alles neu, er würde am nächsten Vormittag nochmal wiederkommen. Immerhin. Er würde das Schloss jetzt wieder einbauen, wir könntens dann aber nicht abschliessen, es drehe nur in eine Richtung. Kein Problem, wir haben ja noch ein zweites Schloss und bis zum nächsten Vormittag wird das ja reichen. Er baute das Schloss wieder ein, mit der Klinke nach aussen, drehen kann man den Schniepel ja nicht, und irgendwie muss man ja wieder rein kommen können. Dann plötzlicher Umbau, um wieder rein zu kommen muss man ja erst mal raus kommen und rauskommen geht nicht ohne Klinke wenn der Schlüssel sich nicht dreht. Klang logisch. Er baute, hämmerte, schimpfte. Übers Wetter, den Ökostrom der schuld am Wetter war, auf die Preise und insgesamt auf Deutschland. Nur nicht auf die Bienen, denen gehts momentan gar nicht gut, der lange Winter, scheiss Ökostrom.
Der Türschlossreparateur verabschiedete sich über Nacht, wir schlossen das zweite Schloss zu, Kette rum, für die Nacht reichte es.

Der nächste Morgen, ein Samstag, der Freund verabschiedete sich früh, der Sohn und ich warteten auf den Türschlossreparateur. Gegen neun wurde ich ungeduldig, irgendwann musste doch endlich Vormittag sein? Ich wollte raus. Er kam nicht. Ich ging aufs Klo, er kam nicht. Ich stillte das Kind, er kam nicht. Viertel nach Elf ein Anruf der Vermieterin, der Türschlossreparateur läge krank im Bett, hohes Fieber, er könne leider erst kommende Woche kommen. Der arme Mann. Wir bedauerten ihn ein wenig, ich wies sie darauf hin, dass er nicht fertig war mit dem Schloss, es sich nicht richtig drehte, ich ein bisschen Angst hätte, dass wir nicht mehr rein kämen, wenn wir erstmal draussen wären. Ob wir ein Spray hätten? Mit so einem Spray könne man ja so einiges, und nächste Woche sei der Gute ja wieder gesund. NEIN. Kein Spray. Wir fanden keine Lösung. Ich erwähnte nebenbei das nicht funktionierende Flurlicht. Das Flurlicht! Das sollte aber funktionieren. Ob ich die Birne wechseln könne? Sie riefe Nachbar D. an, der hätte den Schlüssel zum Raum wo die Leiter wäre. Wir könnten uns auch an Nachbar P. wenden, aber der sei das Wochenende nicht da, das wisse sie genau, und die Birne sollte ja möglichst schnell gewechselt werden. Äh, ja. Klar. Kein Problem. Wir legten auf, ich packte die Nummer des Schlüsseldienstes in meinen Geldbeutel. Probierte das Schloss aus. Auf und zu, auf und zu, auf und zu. Es funktionierte. Währenddessen ging die Tür bei Nachbar K. auf, er hatte ein Telefon am Ohr und fachsimpelte mit der Vermieterin über die Flurlampe. Reichte sie an mich weiter. Ob ich die Birne besorgen würde? Das Birnenlager wäre im Keller von Nachbar P., da wäre jetzt am Wochenende kein rankommen, erst am Montag wieder. Klar. Birne ist wichtig. Ich erinnerte sie noch dezent an die drei Löcher in der Tür und  meine leise Angst, das könne eine wunderbare Einladung für Einbrecher sein aber wie sie mir sofort plausibel erklären konnte, war meine Befürchtung vollkommen unbegründet, schließlich schließe ja die Haustür super, die fiele sofort ins Schloss, die sei massiv, die klemmte nichtmehr, da käme niemand rein. Ach so. Ja, stimmt, dann… Dann konnte ja nichts passieren.
Ich war ein wenig hin und her gerissen zwischen der Angst nicht mehr in die Wohnung zu kommen und der Angst, dass mir Einbrecher zuvor kamen. Aber eigentlich konnte ja nichts passieren. Zur Vorsicht versteckte ich aber meine Wertgegenstände bevor ich ging, klebte ein Schild mit durchgestrichenem Einbrecher an die Tür – Sicher ist Sicher – und räumte Decken, ein Buchregal und den Wickeltisch in den Flur. Im Falle eines Falles war ich bestens aufs Warten vorbereitet. Einbrecher oder Schlüsseldienst, einer würde schon kommen.

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Eine Antwort zu Die Sache mit dem Türschloss

  1. Frische Brise schreibt:

    Loriot, ick hör Dir trapsen 😀

    Oder sollte ich lieber weinen?

    Auf alle Fälle wünsche ich Euch weiterhin gute Nerven!

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